Elektromotor 112M: Achshöhe nach IEC 60072-1, Baulängen S/M/L, typische Nennleistung nach Polzahl sowie Wellen- und Flanschmaße und Bauformen B3, B5, B35.

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Was die Baugröße 112 nach IEC 60072-1 bedeutet: Wellenhöhe als Bezugsmaß

Die Bezeichnung 112M ist zunächst einmal kein Leistungs-, sondern ein mechanisches Bezugsmaß. Die IEC 60072-1 definiert die Baugröße über das Maß H, den Abstand zwischen Fußauflage und Wellenmitte, und fasst drehende elektrische Maschinen für den industriellen Einsatz in Achshöhen von 56 bis 400 mm zusammen[1]. Bei der Baugröße 112 liegt die Wellenmitte also genau 112 mm über der Aufstellfläche. Aus dieser Achshöhe leitet die Norm sämtliche Anbau- und Anschlussmaße ab: Fußlochabstände, Wellendurchmesser, Wellenlänge und Flanschmaße. Für uns als Konstrukteure bedeutet das Austauschbarkeit über Herstellergrenzen hinweg, sofern die übrigen Merkmale wie Polzahl, Wirkungsgradklasse und Bauform übereinstimmen.

MaßWert (BG 112)Bedeutung
H112 mm[2]Achshöhe: Fußauflage bis Wellenmitte
A190 mm[2]Fußlochabstand quer zur Welle
B140 mm[2]Fußlochabstand in Wellenrichtung
C70 mm[2]Abstand Fußauflage bis Schulter Wellenende
D28 mm[2]Wellendurchmesser
E60 mm[2]Wellenlänge ab Schulter

Der Unterschied zwischen 112S, 112M und 112L

Innerhalb der Achshöhe 112 unterscheidet die Norm zusätzlich Baulängen, die die Länge des aktiven Statorpakets beschreiben: 112S für die kurze, 112M für die mittlere und 112L für die lange Ausführung. Die Achshöhe bleibt dabei identisch, der Fußlochabstand B in Wellenrichtung jedoch nicht. Ein Gehäusestander oder eine Grundplatte, die für eine 112S ausgelegt ist, passt daher nicht für eine 112M. Wir empfehlen, die Baulänge bereits in der Konzeptphase festzulegen und die Aufstellzeichnung konsequent auf das Maß B der gewählten Ausführung abzustimmen, damit später weder Fundament noch Spannschienen angepasst werden müssen. Weitere Grundlagen zur Normung von IEC-Motoren haben wir in unserem Fachbeitrag zu IEC-Elektromotoren zusammengestellt.

Nennleistung bei 112M: Warum die Polzahl über die kW-Angabe entscheidet

Die Zuordnung von Baugröße und Nennleistung regelt in Europa die CENELEC-Norm EN 50347 für Drehstromasynchronmotoren mit standardisierten Abmessungen und Leistungen der Baugrößen 56 bis 315[3], im Übrigen der jeweilige Herstellerkatalog. Die Polzahl bestimmt über die Drehzahl, und die Drehzahl bestimmt, welches Moment und welche Leistung im gegebenen Bauraum wirtschaftlich hinterlegt werden können.

PolzahlTypische DrehzahlDrehmoment bei 4 kWÜbliche Baugröße für 4 kW
2-poligrund 3000 U/min[4]etwa 13 Nm[5]112[5]
4-poligknapp unter 1500 U/min[4]etwa 26 Nm[5]112[5]
6-poligetwas unter 1000 U/min[4]etwa 40 Nm[5]meist 132[5]
8-poligrund 750 U/min[4]etwa 53 Nm[5]meist 160[5]

Ein Beispiel aus der Katalogpraxis verdeutlicht, welche Angaben ein konkreter 112M-Motor zusätzlich zur Baugröße trägt: Ein 4-poliger Drehstrommotor der Baugröße 112M liefert 4 kW bei 1500 U/min, erreicht einen Wirkungsgrad von 88,6 Prozent in der Effizienzklasse IE3, arbeitet mit 28 x 60 mm Wellenende in Bauform B3, trägt die Schutzart IP55 und die Wärmeklasse F (155 °C) bei 400/690 V. Der Nennstrom eines solchen 4-kW-Motors liegt bei 400 V je nach Wirkungsgradklasse und Hersteller typischerweise im Bereich von etwa 7 bis 9 A[4]. Wie sich Drehzahl, Schlupf und Effizienzklasse bei niedrigen Polzahlen konkret auswirken, erklären wir in unserem Beitrag zum Elektromotor 4 kW.

Genormtes Wellenende: Durchmesser und Länge nach IEC

Die mechanische Schnittstelle der Baugröße 112 ist vollständig genormt und damit planbar. Das zylindrische Wellenende misst 28 x 60 mm und ist mit einer Passfedernut versehen[2]. Für die Flanschbauform steht der B5-Großflansch mit 250 mm Außendurchmesser, 215 mm Lochkreis und 180 mm Zentrierbund bereit[6]; alternativ der kompakte B14-Flansch mit Innengewindebohrungen, der bei der Baugröße 112 mit 160 mm Außendurchmesser, 130 mm Lochkreis und 110 mm Zentrierung ausgeführt ist[7]. Die Unterschiede zwischen B5 und B14 samt Passungen und Anzugsdrehmomenten behandeln wir ausführlich im Fachbeitrag zum Flanschmotor B14.

Genormtes Wellenende: Durchmesser und Länge nach IEC

Bauformen B3, B5 und B35 für die Baugröße 112M

BauformIM-Code (IEC 60034-7)Ausführung
B3IM 1001Fußmotor, Aufstellung auf ebenem Untergrund[4]
B5IM 3001Flanschmotor ohne Füße, großer Flansch[4]
B35IM 2001[8]Fuß-Flansch-Kombination, Fuß und großer Flansch[4]

Zweckmäßig ist die Trennung der beiden Normen: Die IM-Code-Klassifizierung der Bauformen regelt die IEC 60034-7, die zugehörigen Anbaumaße wie Lochkreis und Zentrierbund legt die IEC 60072-1 fest. Für die Montage selbst empfehlen wir, vor dem Anbau an Getriebe oder Maschine die Rundlaufabweichung der Welle sowie die Koaxialitäts- und Planlaufabweichung des Flansches zu prüfen und die Werte der DIN 42955 Qualität R anzustreben, denn höhere Abweichungen steigern die Lager- und Verzahnungsbelastung und können einen vorzeitigen Getriebeausfall bewirken. Die Befestigungsschrauben sind abschließend über Kreuz anzuziehen, nachdem sich die Flanschflächen auf ihrem gesamten Umfang berühren.

Verwechslungsgefahr: Baugröße ist keine Leistungsangabe

Der häufigste Bestellfehler ist genau hier zu suchen: Aus der Baugrößenbezeichnung allein wird auf die Leistung geschlossen. Wir raten daher, die Spezifikation immer vom Typenschild und Datenblatt des konkreten Motors aus aufzubauen, statt aus der Bezeichnung zu interpolieren. Wie Sie Typenschild, Klemmenbezeichnungen und Wellenmaße systematisch lesen, zeigt unser Leitfaden zur Elektromotor-Zeichnung.

Bis hierhin wurde die Baugröße 112M als Normschnittstelle betrachtet. Im Antriebsstrang entscheidet sie jedoch nie isoliert: Der Motor wird mit Getriebe, Bremse und Controller zu einer funktionierenden Einheit kombiniert, etwa als IEC-Getriebemotor, bei dem Motor und Getriebe aufeinander abgestimmt sind. Genau hier liegt der Unterschied zwischen dem Kauf eines Bauteils und der Beschaffung einer Lösung: Wer Motor, Getriebe und Steuerung getrennt dimensioniert, trägt das Integrationsrisiko selbst, von Verdrehflankenspiel und Aufstelltoleranzen bis zur Abstimmung von Anlaufmoment und Lastzyklus. Für die Auslegung der Wellenleistung und des Wirkungsgrads entlang der Kette haben wir die Berechnungsgrundlagen im Beitrag zur Motorleistungsberechnung aufbereitet.

  1. Polzahl und Nennleistung aus dem Herstellerkatalog bestätigen, nicht aus der Baugrößenbezeichnung ableiten.
  2. Wirkungsgradklasse festlegen (IE3 oder IE4) und Nennstrom bei der Betriebsspannung für Schütz, Schutzorgan und Netzverträglichkeit prüfen.
  3. Bauform (B3, B5, B35) und zugehörige Anbaumaße mit der Aufstell- und Anschlusskonstruktion abgleichen.
  4. Wellenende (Durchmesser und Länge), Passfedernut und Flanschmaße gegen das Gegenstück, etwa Getriebeeingang, prüfen.
  5. Schutzart (z. B. IP55) und Wärmeklasse an Aufstellungsort und Umgebungstemperatur anpassen.
  6. Fundamentierung so ausführen, dass sie die auftretenden Drehmomente zuverlässig aufnimmt, und Verspannungen, Schläge und Unwuchten im Antriebssystem vermeiden.

Wir bei ATEK Drive Solutions denken diese Auswahl von der Schnittstelle her: Statt Motoren, Getriebe und Bremsen isoliert zu betrachten, liefern wir unsere Motoren und Controller als abgestimmte, projektfertige Antriebseinheiten aus einer Hand, mechanisch passgenau auf Ihre Bauraum- und Lastanforderungen ausgelegt und bis zur vernetzbaren Bewegungssteuerung integriert. Damit reduzieren Sie Schnittstellen im Engineering, verkürzen die Inbetriebnahme und sichern die Verfügbarkeit Ihrer Maschine über den gesamten Lebenszyklus.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet 112M bei einem Elektromotor?

112M ist eine Baugrößenbezeichnung nach IEC 60072-1. Die Zahl 112 steht für die Achshöhe, also den Abstand von der Fußauflage bis zur Wellenmitte, in Millimetern. Der Buchstabe M bezeichnet die mittlere Baulänge des Statorpakets; bei Baugröße 112 beträgt das B-Maß (Abstand der Fußbohrungen) 140 mm.

Welche Leistung hat ein Elektromotor der Baugröße 112M?

Typisch sind 4 kW bei 2-poliger und 4-poliger Ausführung, 2,2 kW bei 6-polig und 1,5 kW bei 8-polig. Die Baugröße selbst ist jedoch keine Leistungsangabe: Die IEC bindet keine Leistung an die Baugröße, die konkrete Nennleistung steht erst im Herstellerkatalog beziehungsweise auf dem Typenschild.

Welchen Wellendurchmesser hat die Baugröße 112?

Die Baugröße 112 hat nach IEC ein zylindrisches Wellenende mit 28 mm Durchmesser und 60 mm Länge, inklusive genormter Passfedernut. Diese Maße gelten unabhängig von der Baulänge (S, M oder L), sodass Kupplungen und Keilwellennaben baugrößenweit einheitlich ausgelegt werden können.

Was bedeuten die Bauformen B3, B5 und B35?

Die Bauformen sind in IEC 60034-7 als IM-Code klassifiziert: B3 (IM 1001) ist der Fußmotor mit horizontaler Welle, B5 (IM 3001) der Flanschmotor ohne Fuß mit großem Flansch und Durchgangsbohrungen, B35 (IM 2001) die Kombination aus Fuß und Flansch. Die zugehörigen Anbaumaße legt IEC 60072-1 fest.

Ist ein 112M-Motor einfach gegen einen 112S oder 112L austauschbar?

Nicht ohne Weiteres. Alle drei Baulängen haben dieselbe Achshöhe von 112 mm, unterscheiden sich aber im B-Maß: 112S hat 114 mm, 112M 140 mm und 112L 159 mm. Ein Fundament oder Fuß, der für 112S gebohrt ist, passt nicht ohne Anpassung auf einen 112M. Zudem unterscheiden sich die Baulängen in der zulässigen Nennleistung.

Warum ist die Baugröße keine Leistungsangabe?

Weil die IEC 60072-1 die Baugröße rein mechanisch über die Achshöhe definiert und keine Leistung an die Baugröße bindet. Zwei 112M-Motoren unterschiedlicher Hersteller können bei identischer Achshöhe unterschiedliche Nennleistungen haben. Für die Bestellung sind stets Polzahl, Wirkungsgradklasse und die Angaben im Herstellerkatalog zu prüfen.

Quellen

  1. dinmedia.de
  2. elosal.net
  3. dke.de
  4. mollmotor.at
  5. energie.ch
  6. elosal.net
  7. aq-pluss-elektromotoren.de
  8. shop.nbe-online.de