Schneckengetriebe

Ein Schneckengetriebe ermöglicht aufgrund seiner Wirkungsweise große Übersetzungsverhältnisse ins Langsame.
Bei Schneckengetrieben kreuzen sich die beiden Wellen in einem definierten Abstand (A).
Dieser Achsabstand spiegelt sich in der Angabe der Getriebebaugröße wieder.
(Beispiel: S 100 – Achsabstand 100 mm)

Geräuscharme Achsversatzgetriebe

Schneckengetriebe sind hochpräzise und leistungsstarke Achsversatzgetriebe. Diese Hochleistungsgetriebe sind den hohen Anforderungen unserer Zeit in jeglicher Hinsicht gewachsen. Sie sind geräuscharm und unempfindlich gegen Stöße. Nicht ohne Grund werden sie unter Anderem weltweit in Förderanlagen eingesetzt. Schneckengetriebe sind umgangssprachlich auch bekannt als Schnecke.

Produkteigenschaften

  • Robust, leistungsstark, geräuscharm
  • Gehäuse aus Grauguss
  • Achsversatz zwischen An- und Abtrieb
  • Wartungsfrei

Applikationsbeispiele

  • Bühnen- und Theatertechnik
  • Vereinzelungsmaschinen
  • Förderanlagen
  • Profilbearbeitungsmaschinen
  • Extrusionsmaschinen

Doppelschneckengetriebe

  • Vorschaltgetriebe als Typ S, SL SLM an SC lieferbar
  • 9 Standard-Größen Kombinationen
  • für Übersetzungen bis 6890:1
  • Abtriebsdrehzahlen von 0,1 bis 8 min-1
Mehr Details

Verzahnung

Ein Radsatz besteht aus Schneckenwelle und Schneckenrad.

Bauarten

Durch das Baukastensystem sind verschieden Getriebebauarten konfigurierbar.
Die Varianten unterscheiden sich in der Art der Wellen, deren Drehrichtung und der Lagerung.

Befestigungs-Gewindebohrungen

Die Gehäusefläche an der Seite 1 und die Flanschflächen an Seite 5 und 6 sind bearbeitet und können als Befestigungsflächen benutzt werden.
Alle Flansche haben immer Befestigungs-Gewindebohrungen.

Folgende Bestelloptionen stehen Ihnen zur Verfügung.

Getriebegröße Bestelloptionen Befestigungs-Gewindebohrungen sind in den Gehäuseflächen an der Getriebeseite Befestigungs-Gewindebohrungen sind in den Flanschen an der Getriebeseite
040-250 1 1 5,6
040-100 2 1,2 5,6
040-100 3 1,3 5,6
040-100 4 1,4 5,6
040-100 5 1,5 5,6
040-100 6 1,6 5, 6
125-250 2 1,2 5, 6

Die Standardausführung trägt die Bestellbezeichnung 1.
Fragen Sie andere Befestigungsoptionen bitte an.

Einbaulage

Die Einbaulage wird durch die im Betrieb nach unten zeigende Getriebeseite angegeben und mit der zugehörigen Ziffer bezeichnet.
Die Getriebe können in allen Einbaulagen eingesetzt werden.
Die technisch günstigste, und damit empfohlene Einbaulage ist die Einbaulage 1. In dieser Einbaulage liegt die Schneckenwelle waagerecht unten.

Wenn der Winkel der nach unten zeigenden Getriebeseite mehr als 15° von der waagerechten Lage abweicht, bitten wir um Rücksprache.Die in den Auswahltabellen angegebenen Leistungen und Drehmomente gelten nur, wenn die Getriebe in den Einbaulagen 1, 5 oder 6 eingesetzt werden.
Bei senkrechter oder obenliegender Schneckenwelle (Einbaulagen 3, 4 oder 2) müssen die Werte um 10 % reduziert werden.

Wellenbezeichnung - Zuordnung zu den Getriebeseiten

Die Schneckenwelle ist die schnell-laufende Welle.
Sie hat die Drehzahl n1 und wird mit N1 bezeichnet.

Die langsam-laufende Welle hat die Drehzahl n2 und wird mit N2 bezeichnet.
Auf ihr befindet sich das Schneckenrad.
Die Getriebeseiten werden mit den Ziffern 1 bis 6 bezeichnet.
Die Zuordnung der Wellen zu den Getriebeseiten
entnehmen Sie der Abbildung 8.2.5‑1und der Abbildung 4.2.1‑1 Getriebeseiten.

Drehrichtung und Übersetzungsverhältnis 

Die Schneckengetriebe werden standardmäßig mit rechtssteigenden Schneckenwellen geliefert.
Dadurch ergeben sich die Dreh-richtungen gemäß Abbildung 8.2.5-1.
In Sonderausführung ist auch die Lieferung mit linkssteigender Verzahnung möglich.
Bitte anfragen.
Die möglichen Übersetzungsverhältnisse entnehmen sie den Leistungstabellen.
Bei der Auslegung ist grundsätzlich das Ist-Übersetzungsverhältnis iist zu berücksichtigen.
Dies weicht teilweise vom Nennübersetzungsverhältnis i ab.

Wirkungsgrad

Der erreichbare Wirkungsgrad ist abhängig von Drehzahl, Drehmoment, Einbaulage, Abdichtung und Schmierstoffart.

Anlaufwirkungsgrad

In der Anlaufphase und im betriebskalten Zustand ist der Wirkungsgrad stets geringer, da sich der Schmierfilm erst mit der eintretenden Gleitbewegung bildet.
Es wird daher ein größeres Drehmoment benötigt.
Die nachstehend genannten Anlaufwirkungsgrade sind Richtwerte, und sind gültig für eingelaufene Getriebe.

Bei der Auslegung sind diese Anlaufwirkungsgrade zu berücksichtigen.

Gangzahl Übersetzungsbereich Anlaufwirkungsgrad Steigungswinkel
1 83 – 62 0,30 – 0,40 3°-3,5°
1 53 – 30 0,40 – 0,50 5°-6°
2 26 – 15 0,56 – 0,65 10°-12°
4 13 – 7,5 0,68 – 0,75 19°-23°
6 5 0,74 – 0,82 28°-32°

Betriebswirkungsgrad

Bei Schneckengetrieben im Anlieferungszustand sind die Zahnflanken noch nicht vollständig geglättet.
Daher sollte man die Getriebe
vor dem Lastbetrieb möglichst mit ca. 50% der Nenndaten einlaufen lassen.
Die in den Leistungstabellen angegebenen Wirkungsgrade beziehen sich auf die zulässigen Nenndaten und sind Richtwerte für eingelaufene, betriebswarme Getriebe mit Standardabdichtung und einer Ölviskosität 460 mm2/s.

Antrieb ins Schnelle

Aufgrund des hohen Wirkungsgrades der ATEK-Schneckenradsätze ist es möglich, die Getriebe mit 4- und 6-gängigen Schneckenwellen auch von der Schneckenradseite her anzutreiben und somit eine Übersetzung ins Schnelle zu erzeugen.

Der Wirkungsgrad bei treibendem Schneckenrad berechnet sich nach der Formel: η´ = 2 – (1 / η )

Selbsthemmung

Die Selbsthemmung steht in direktem Zusammenhang mit dem Wirkungsgrad des Getriebes.
Nähere Informationen hierzu finden Sie im Kapitel 8.2.11 Selbsthemmung.

Schmierung

In Abhängigkeit von Getriebegröße, Einbaulage, Drehzahl und Einschaltdauer ergeben sich unterschiedliche Bedingungen für die Schmierung der Verzahnung und der Wälzlager.
Um diese optimal sicherzustellen, kommen unterschiedliche Ölmengen und –Viskositäten zum Einsatz.

Diese werden durch Atek auf der Grundlage Ihrer Bestellangaben (Drehzahl, Einschaltdauer und Umgebungstemperatur) festgelegt.

Sie spiegeln sich in der Typbezeichnung wieder.
Die Aufschlüsselung finden Sie in Beispiel S 125 10:1 C0 -9.1- 200/A1
/A1 bedeutet:

Abkürzung Erläuterung Bezug
A Ölviskosität 460 Tabelle 9.2.8‑1
1 mit Entlüftung Tabelle 9.2.8‑2

 

Die Schneckengetriebe werden werksseitig mit synthetischen Polyglykol-Öl befüllt und sind in der Regel wartungsfrei.

templ_abb_schmierung_02_x2

Tabelle der Ölviskosität

Code Ziffer 1 Viskosität
A 460
B 220
C n.v.
D Einspritzschmierung
F Fließfett

 

Bei sehr kleinen Drehzahlen ist auch eine Schmierung mit Fließfett möglich.
Bei Betriebstemperaturen über 50°C entsteht im Getriebe durch Luftausdehnung ein hoher Druck.
Es muss dann für einen permanenten Druckausgleich gesorgt werden.
Zu diesem Zweck ist dann der Einsatz eines Entlüftungsfilters vorgeschrieben.

Code Ziffer 2 Entlüftungsfilter
0 Nein
1 Ja

 

 

Entlüftungsfilter

Wenn eine Entlüftung erforderlich ist, werden die Getriebe mit einem Entlüftungsfilter geliefert.
Die Entlüftungsbohrungen sind für den Transport mit Verschlussschrauben versehen.
Der Entlüftungsfilter ist lose beigelegt und muss vor Inbetriebnahme an der vorgesehenen Position montiert werden.
Eventuell kann ein Rohrbogen erforderlich sein.
Bitte beachten Sie die Betriebsanweisung!
Die Position ist in den Auftragsunterlagen angegeben.
Die Lage des Filters entnehmen Sie bitte der Abbildung 8.2.9-1; Einbaulagen.

Dabei bedeutet z.B.: E4 = Entlüftung an Seite 4.

entlueftungsfilter

Spielarme Ausführung

Für einen optimalen Lauf wird im Radsatz die Zahnlücke größer als der Zahn gefertigt.
Bei einem Drehrichtungswechsel ergibt sich so ein Drehwinkel bis es zum Kontakt der gegenläufigen Zahnflanken kommt.
Diesen Drehwinkel nennt man Verdreh-Flankenspiel.

 Verdreh-Flankenspiel, Messmethode

Das Verdreh-Flankenspiel wird bei festgesetzter Antriebswelle (N1) gemessen.
An der Abtriebswelle (N2) werden in beiden Drehrichtungen ca. 2 % des Nennmoments aufgebracht.
Zwischen den beiden Endlagen ergibt sich ein Zahnspiel, welches als Drehwinkel messbar ist und in Winkelminuten [arcmin] angegeben wird.

Verdreh-Flankenspiel, Ausführung

Alle ATEK-Schneckengetriebe können in spielarmer Ausführung geliefert werden.

Folgende Werte sind mit Normalradsätzen einstellbar:

Bestelloption Radsatz 040 – 125 160 -250
/0000 Standard <=30 arcmin <=30 arcmin
/S2 Standard <=10 arcmin a.A.
/S1 Standard <=6 arcmin a.A.
/S0 Sonderradsatz <=3-6 arcmin a.A.

 

Abkürzungen: a.A. – auf Anfrage

Selbsthemmung

Schneckengetriebe sind selbsthemmend, wenn die Getriebe von der Schneckenradseite her nicht angetrieben werden können.

Die Selbsthemmung steht in direktem Zusammenhang mit dem Wirkungsgrad des Getriebes.
Wird Selbsthemmung gefordert, muss der entsprechende Wirkungsgrad des Getriebes bei treibender Schnecke unter 0,5 liegen.
Muss ein Getriebe unbedingt selbsthemmend oder aber unbedingt nicht selbsthemmend sein, bitten wir unter Schilderung des Einsatzfalles in jedem Fall rückzufragen.

Statische Selbsthemmung

Schneckengetriebe sind statisch selbsthemmend, wenn ein Anlaufen aus dem Stillstand bei treibendem Schneckenrad nicht möglich ist.

Die Selbsthemmung hängt von der Steigung der Verzahnung ab.
Der Winkel liegt zwischen 2,5° bis 5°.
Bitte Anfragen.

Erschütterungen können die Selbsthemmung aufheben.
Eine selbsthemmende Verzahnung kann daher eine Bremse oder Rücklaufsperre nicht immer ersetzen.

Dynamische Selbsthemmung

Schneckengetriebe sind dynamisch selbsthemmend, wenn bei laufendem Getriebe ein Weiterlaufen durch Momenteinwirkung auf das Schneckenrad (Abtriebsseite) des Getriebes nicht möglich ist.
Der auftretende Nachlauf nach dem Abschalten richtet sich nach den umlaufenden Massen an der Antriebsseite.
Dynamische Selbsthemmung ist nur bei sehr großen Übersetzungen im Bereich niedriger Antriebsdrehzahlen möglich.
Bitte Anfragen.

Grenzbereiche

Wenn angetriebene Teile große Massenträgheitsmomente haben, darf während des Auslaufvorganges keine Selbsthemmung auftreten.
Bei plötzlicher Blockierung des Getriebes können extrem hohe Belastungsspitzen auftreten.
In derartigen Fällen soll möglichst ein Getriebe mit mehrgängiger Schnecke eingesetzt werden.
Auch bei Einsatz eines Bremsmotors oder einer separaten Bremse auf der Antriebsseite darf das Bremsmoment nicht zu groß sein und muss gegebenenfalls durch Einsatz einer zusätzlichen Schwungmasse an der Antriebsseite abgemildert werden.